Hast du mal 5 Minuten? – monochrones und polychrones Zeitverständnis

Hier soll es um unterschiedliche Zeitverständnisse gehen. Keine Sorge, dieses Kapitel ist ein bisschen kürzer als das letzte 🙂

Allgemein gesagt ist uns Deutschen Zeit ja ziemlich wichtig, das heißt, wir machen uns Uhrzeiten aus und erwarten dann in den meisten Fällen auch von unserer Verabredung, dass sie pünktlich erscheint. Wir haben bestimmte Zeiten, zu denen wir beginnen zu arbeiten (z.B. morgens um 8:00 Uhr), in denen wir Pause bzw. Feierabend machen. Die Uhr begleitet uns sozusagen überall hin! Dieses Verständnis von Zeit ist linear und wird daher monochron genannt. Es ist hauptsächlich in westlichen Kulturen verbreitet und macht die Zeit „greifbar“, man kann sie also sinnvoll einteilen und nutzen (vgl. Liu et al. 2011, 147). Außerdem kann man in solchen Kulturen Zeit auch „verlieren“, „aufholen“, „gewinnen“ oder „haben“.

Im Gegensatz dazu steht das zyklische, polychrone Zeitverständnis. Zeit wird hierbei als ein Kreislauf wahrgenommen, sie hat also keinen Verlauf, wie er in westlichen Kulturen bekannt ist. In solchen Kulturen kann Zeit von der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft aus betrachtet werden (vgl. Liu et al. 2011, 147), das heißt, der Fokus liegt entweder mehr auf Spontanität oder auf zukünftigen Geschehnissen.

Hier eine kleine Geschichte von und mit Nemandi:

Dreivorzwölf
Nemandi hat sich mit ihrer Freundin Marie in der Bierstube verabredet. Sie verspätet sich jedoch, da der Bus 61 wieder einmal sehr voll war und sie nicht mitfahren konnte. Nemandi ruft  Marie von der Bushaltestelle aus an:

„Hallo, Marie! Du, die 61 war gerade sehr voll, ich konnte nicht mitfahren! Ich werde mich verspäten, so um ca. 20min. Ist das schlimm?“ (Nemandi macht sich Sorgen, dass Marie ihr böse sein könnte..)

„Hallo Nemandi! Ist nicht so schlimm, ich weiß, wie voll die 61 immer ist… Ich warte einfach und

bestelle mir schonmal was zu trinken!“ (Puuuh, denkt sich Nemandi, zum Glück ist sie nicht sauer!)

„Okay, ich beeile mich! Bis dann!“ sagt Nemandi.

„Ja, bis dann!“ antwortet Marie und legt auf.

  • Wie stehst du zu Pünktlichkeit? Wenn du dich mit jemandem verabredet hast, erwartest du dann absolute Pünktlichkeit oder ist es nicht so schlimm, wenn der-/diejenige sich verspätet?
  • Wenn du deine Kommilitonen so beobachtest, fällt dir auf, dass sie anders mit „ihrer“ Zeit umgehen als du? Findest du Unterschiede zu der Kultur, aus der du kommst?
  • In dem untenstehenden Buch wird folgendes Szenario beschrieben:

Ein amerikanischer Professor, welcher an einer Universität in Hongkong unterrichtete, tat sich schwer mit den Meetings, die dort abgehalten wurden. Der Grund dafür war, dass sie ihm zu lange dauerten – selbst wenn man sich während des Meetings schon lange mit dem nächsten Diskussionspunkt beschäftigte, konnte eine Frage zu irgendeinem vorhergehenden Punkt alle Aufmerksamkeit wieder auf diesen Punkt lenken. Das hieß natürlich, dass das Ganze wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als der Professor wohl gewöhnt war (vgl. Liu et al. 2011, 147).

Könntest du dich gut in den Professor hineinversetzen? Hast du Ähnliches schon einmal erlebt?

Und nun ein letzter Gedankenanstoß für dich :

  • Was ist Zeit für dich?

Quelle:  Liu, Shuang; Volčič, Zala; Gallois, Cindy (2011). Introducing Intercultural Communication: Global Cultures and Contexts. London, L.A.: Sage. P. 147.

Bild: oli.schulz3. „Dreivorzwölf“. Aufgerufen unter http://www.flickr.com/photos/olisplanet/7734920346/

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