Seminare und Vorlesungen

Geht man zur Uni, sitzt man in Vorlesungen und besucht Seminare. Auch Nemandi hat schon einiges in ihren Lehrveranstaltungen gelernt.

Hörsaal im Beyer Bau

Hörsaal im Beyer Bau

Gemeinsam mit ihren Kommilitonen diskutiert sie dort über den Stoff und kann dem Professor ihre Fragen stellen. Doch leider fällt Nemandi eines dabei immer auf: So sachlich wie sich die Veranstaltungen gestalten, bleibt der private Kontakt zu den anderen Studenten aus.

Warum ist es so schwer im Rahmen der Lehrveranstaltungen Freunde zu finden?

Im Allgemeinen ist es so, dass in den Lehrveranstaltungen wenig Raum zum Sozialisieren bleibt… schließlich geht man dorthin, um etwas zu lernen. Das geht nur, wenn man aufmerksam ist. Daher sind viele schon vor der Veranstaltung in einer Art „Arbeitsmodus“. Das heißt, sie richten sich mental darauf ein, dass sie gleich mitschreiben und -denken müssen. Kontakte knüpfen steht da eher im Hintergrund. Daher ist es gut möglich, dass Nemandi diese „Sachlichkeit“ auch bei den Studenten zu spüren bekommt… Die Trennung zwischen Akademischem/Beruflichen und Privatem ist in Deutschland relativ strikt! Das bedeutet, dass die Deutschen eher spezielle Räume zum miteinander interagieren brauchen, wie z.B. Studentenklubs o.Ä.

Man nennt dieses Verhalten auch Sachorientierung. Das heißt in Nemandis Fall, dass die Universitätsräume „sachliche“ Räume sind. Dort werden soziale Beziehungen eher zurückgestellt, und die Betonung liegt auf der „Sache“ die erreicht werden soll – dem Lernen. In diesem Fall steht auch nicht die Person im Vordergrund, sondern das Ziel der Gruppe. Deutschland ist eine sogenannte „low-context culture“, das bedeutet, dass kulturelle Werte sehr direkt und offen kommuniziert werden (vgl. Liu et al. 2011, 106). Man kennt hier dementsprechend auch das Sprichwort: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Der Gegensatz dazu ist Beziehungsorientierung. Hierbei steht die Pflege der sozialen Beziehungen ganz oben, das heißt, die Person statt der Umgebung steht im Vordergrund. Dies findet man oft verknüpft mit den „high context cultures“, also mit den Kulturen welche kulturelle Werte indirekt kommunizieren (vgl. Liu et al. 2011, 106f.) Die Kultur erklärt sich also selbst. Hier ist es die höflichere Variante, auch im Arbeitsumfeld die Person statt der Sache in den Vordergrund zu stellen.

Auf den folgenden Seiten wird Nemandi mehrere Orte besuchen, um Freunde zu finden. Wenn du das Obige im Hinterkopf behältst, wirst du merken, wieso ihr das an manchen Orten schwerfallen wird…

Quellen:

Liu, Shuang; Volčič, Zala; Gallois, Cindy (2011). Introducing Intercultural Communication: Global Cultures and Contexts. London, L.A.: Sage. S. 106-107.

Thomas, Alexander (2011). Interkulturelle Handlungskompetenz: Versiert, angemessen und erfolgreich im internationalen Geschäft. Wiesbaden: Gabler. S. 151-161.

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